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06:00 Bach: Herkules auf dem Scheideweg

Im September 2011 zeichnete ARTE ein Konzert besonderer Art auf dem Barockfestival Ambronay auf, das in diesem Jahr Johann Sebastian Bach gewidmet war. Der Argentinier Leonardo García Alarcón dirigierte in der stimmungsvollen ehemaligen Benediktinerabtei von Ambroney die berauschenden "Dramma per musica"- eine Gattung, in der Bach seiner Leidenschaft für die Oper und reiche Orchestrierungen freien Lauf ließ. Maestro zeigt die Kantate BWV 213, "Die Wahl des Herkules", uraufgeführt zum elften Geburtstag von Prinz Friedrich Christian, am 5. September 1733 in Leipzig. Johann Sebastian Bach war bedingungsloser Opernfan und Experte für deren Ausdrucksformen und Techniken. Das musikalische Chamäleon mit ausgeprägter Empathie schrieb seine "Dramma per musica", wahre Miniatur-Opern, zu liturgischen Zwecken um. Jede Messe in der Leipziger Thomaskirche wurde dadurch zu einem Erlebnis, erklärt Alarcón. Bachs "Dramma" kommen nur selten zur Aufführung, drei der schönsten interpretieren in Ambroney der Kammerchor Namur begleitet vom Ensemble Les Agrémens. Mit viel Feingefühl lässt der argentinische Dirigent das leidenschaftliche Temperament des nach außen hin so kühl erscheinenden Leipziger Thomaskantors aufleben.

06:45 Mit offenen Karten

Meeresböden bedecken den weitaus größten Teil der Erdoberfläche, doch diese Weiten sind kaum erforscht. Dank technischer und wissenschaftlicher Fortschritte können jetzt die biologischen und mineralischen Ressourcen der Tiefsee ergründet werden. "Mit offenen Karten" lädt zu einem Tauchgang in die Tiefen des Meeres ein, um ihren Reichtum, aber auch ihr fragiles Gleichgewicht aus der Nähe zu betrachten.

07:00 360° - Geo Reportage

Die 19-jährige Flicky arbeitet auf der Farm ihrer Eltern als Jillaroo, als Cowgirl. Zusammen mit ihrer Schwester Emma Jane muss sie in harten Zeiten mit anpacken. Denn es gibt keine Cowboys mehr, seit die Bergbauminen im ganzen Land mit lukrativen Jobs locken. Die Rinderfarmer im Outback müssen sowieso fast alle um ihre Existenz kämpfen. Eine fünfjährige Dürre zwang sie, hohe Kredite für Futter aufzunehmen, die sie durch die fallenden Fleischpreise nicht zurückzahlen können. Dazu kommt, dass wochenlange Regenfälle auf dem ausgetrockneten Land zu Überschwemmungen geführt haben - ein Problem löst das andere ab. Doch die Farmer lieben ihre Tiere und ihren Beruf. Aufgeben, um einen Job in der Stadt anzunehmen, ist nur die allerletzte Option. Zum Glück vieler Farmer gibt es neuerdings junge Frauen wie Flicky, die die harte Farmarbeit nicht scheuen. Die Mädchen kommen oft mit verklärten Ansichten in die Wildnis. Sie träumen von romantischen Abenden am Lagerfeuer und Ausritten im Sonnenuntergang. Doch die Realität aus Arbeit, Einsamkeit und Abgeschiedenheit sieht anders aus. Im Outback funktionieren weder Fernsehen noch Mobiltelefon. Die nächste Stadt ist oft eine Tagesreise entfernt. Freunde treffen oder sich verlieben klappt hier nicht ohne weiteres. Und dennoch wächst die Zahl der Jillaroos. Flicky und ihre Schwester erleben bewegte Wochen auf der elterlichen Farm, bevor sie sich endgültig entscheiden.

08:00 Frankreichs mythische Orte

Das Dorf Paimpont in der Bretagne liegt im sagenumwobenen Wald von Brocéliande, umgeben von zahllosen Seen und einem endlos scheinenden Meer von Bäumen. Der Ursprung des Ortes geht auf das siebte Jahrhundert zurück, als auf Anordnung des Herrschers Judikael hier die erste Kirche errichtet wurde. An deren Stelle trat im 13. Jahrhundert die noch heute existierende Abtei. Die Geschichte von Paimpont ist eng mit den Kelten und ihren Sagen verbunden. So sind hier laut mittelalterlicher Sage König Artus, die Ritter der Tafelrunde und der Heilige Gral zu Hause, und auch die Erinnerung an Lancelot, Viviane, Morgane und Merlin prägen diesen Ort noch immer.

08:25 X:enius

Ob am Lagerfeuer, in der U-Bahn oder auf der großen Konzertbühne -an vielen Orten ist die Gitarre das tonangebende Instrument. Wie kam es zur ihrer weltweiten Popularität? Aus welchen Instrumenten hat sich die heutige Gitarre überhaupt entwickelt? Und welche Innovationen waren grundlegend für ihre heutige Beliebtheit? Um diesen Fragen nachzugehen, sind Dörthe Eickelberg und Pierre Girard nach Sevilla gereist. Denn hier wurde die klassische Gitarre, wie wir sie heute kennen, entwickelt. Bei einem Gitarrenbauer erfahren sie, welche Bautechnik und Details beachtet werden müssen, um den erwünschten Klang zu erzielen. Eine Kunst, die so ausgefeilt ist, dass sogar Wissenschaftler dem Gitarrenklang mit feinster Technik auf den Grund gehen.

08:55 Unbekannte Schätze australisch-ozeanischer Kunst

Für die erste Dokumentation seiner Reihe über "Unbekannte Schätze ..." reist der Kunstkenner und -sammler Griff Rhys Jones bis ans andere Ende der Welt, zu den entlegenen Torres-Strait-Inseln zwischen Australien und Papua-Neuguinea. Hier will er die Reste einer außergewöhnlich kreativen und kriegerischen Kultur erforschen. Die mit den Aborigines verwandten Torres-Strait-Insulaner waren Jahrhunderte lang vom Rest der Welt abgeschnitten. Sie waren wilde Kopfjäger, die an Zauberei und Hexerei glaubten. Was machte ihre Kunst so beeindruckend und kraftvoll? Und warum wollen die Inselbewohner ihre Geheimnisse so ungern preisgeben? Griff stößt bei seinen Erkundungen auf eine Maske, die ihn in ihren Bann zieht. Wird er das Rätsel dieser Maske lösen können?

09:55 360° - Geo Reportage

Schon lange haben junge Ecuadorianer kein Interesse mehr am Flechten von Panamahüten. Die Arbeit ist körperlich hart, und die Bezahlung reicht kaum zum Leben. Zu lange sind die Hutflechter von skrupellosen Mittelsmännern ausgebeutet worden. In den letzten Jahren sind außerdem viele Tausend Hutflechter in die USA oder nach Spanien ausgewandert. Und zusätzlich macht die industrielle Billigware aus China den Hutexporteuren aus Ecuador heftig Konkurrenz. Der 40-jährige Hutflechter Simon Espinal aus dem Küstenort Pilé, seine 39-jährige Kollegin Carmen Florinda Portillo aus dem Andendorf Yuel und der Panamahut-Liebhaber Brent Black aus Hawaii sorgen sich um den Erhalt des Panamahutes. Sie kämpfen auf unterschiedliche Weise für den Fortbestand der alten Herstellungsweise. "360° - Geo Reportage" gibt Einblicke in die Alltagswelten von Simon und Carmen und deren Familien. Die Dokumentation zeigt ein hartes, entbehrungsreiches, aber auch ein zufriedenes Leben zwischen traditioneller Arbeit und familiärer Gemeinschaft im Dorf. Simon ist stolz auf seine Arbeit und hat die Kunst des Flechtens von Strohhüten bereits an seine drei Kinder weitergegeben. Das ist wichtig, denn neben Simon gibt es mittlerweile nur noch etwa 20 Hutflechter, die den legendärsten aller Strohhüte herstellen können, den "Montecristi Superfino". Simon setzt sich deshalb dafür ein, zusammen mit seinem Zwischenhändler Gabriel Delgado und seinem Vater Senovio Espinal eine Hutflechter-Schule in Pilé zu gründen. Doch wird aus dem Traum je Realität?

10:45 Ema auf der Treppe

Gerhard Richters Bild "Ema (Akt auf einer Treppe)" zeigt eine nackte Frauengestalt. Sie läuft mit gesenktem Blick eine Treppe hinab und dabei direkt auf den Betrachter zu. Das fotorealistische Gemälde, das Richters Frau zeigt, ist ein unheimlich verführerisches, schönes und atmosphärisches Bild. Wie groß die faszinierende, ja provokative Wirkung des Bildes war, zeigt auf drastische Weise die Attacke eines Unbekannten, der das Bild 1982 aufschlitzte. Der Einfluss Marcel Duchamps, der mit seinem "Akt, eine Treppe hinabsteigend" von 1912 das Ende der Malerei verkündete und dem Richter etwas "Schönes" entgegensetzten wollte, spielen dabei ein große Rolle. 1915 löste Duchamp in New York einen Skandal aus. Die Ausstellungsbesucher fragten sich, wo der Akt auf dem Bild überhaupt zu sehen sei, angesichts der kubistisch verschachtelten Darstellungsweise des Menschen. Die Dokumentation erzählt mit vielen, bisher zum Teil unveröffentlichten Fotos von den Anfangsjahren Gerhard Richters in Düsseldorf, von wichtigen Freundschaften und der einzigartigen Stellung des Gemäldes im Werk des einflussreichsten Malers der Gegenwart, der im Februar 2012 seinen 80. Geburtstag feierte. 111

11:15 Design

Eine schwangere Frau, eine Birne, ein Sakko, eine Handtasche - woher kommt die Idee für den Sacco-Sessel? Die drei jungen italienischen Architekten Gatti, Paolini und Teodoro hatten vor allem ein Möbelstück im Sinn, das sich perfekt an jeden Körper anpassen und in jeder Sitzposition nutzbar sein sollte - ein Begleiter für jede Lebenslage also. Dieser Anspruch passt in den Zeitgeist der 70er Jahre, dem Jahrzehnt der Freiheit: So wie die Form des Sitzsacks flexibel bleibt, ist auch der Platz eines jeden in der Gesellschaft nicht mehr statisch und vorgegeben. Bei der Umsetzung orientieren sich die drei Designer an Naturphänomenen. Ähnlich wie frischer Schnee oder Wasser den Körper sanft umschließen, soll auch der Sacco-Sessel den menschlichen Konturen ergonomisch folgen - weich und ohne eine einzige Kante. Diese neue Konzeption von Komfort lädt zu einem kreativen Umgang mit Sitzmöbeln ein. Sacco verbindet die strenge westliche Sitzkultur mit der asiatischen, die keine Stühle kennt, sondern in der man sich aus Gemütlichkeit direkt auf den Boden setzt. Außerdem sind die überdimensionalen, mit Polystyrolperlen gefüllten Kissen farbenfroh und leicht und machen einfach gute Laune. So wird jedes Wohnzimmer zur Spielwiese.

11:45 Es war einmal ...

Pedro Almodóvars 13. Spielfilm "Alles über meine Mutter" kam 1999 in die Kinos und wurde bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem Preis für die beste Regie sowie dem Oscar für den besten ausländischen Film ausgezeichnet. Das um die Jahrtausendwende in Barcelona gedrehte, sehr erfolgreiche Melodram verknüpft auf glänzende Weise die Schicksale verschiedener Frauen und Transvestiten, die sich mit den Dramen des Alltags konfrontiert sehen: Tod eines Sohnes, Scheitern von Beziehungen, Prostitution, Drogen, Aids. Dafür hat Almodóvar einmal mehr seine Lieblingsschauspielerinnen verpflichtet: Penélope Cruz, Marisa Paredes, Cecilia Roth, um nur die bekanntesten zu nennen. Mehr denn je scheinen Frauen die Geschicke der Welt zu bestimmen. Ihnen gegenüber stehen psychisch instabile, haltlose Männer, die sich oft das andere Geschlecht wünschen. In Madrid hat der französische Journalist und Filmemacher Antoine de Gaudemar den spanischen Regisseur eingehend zu "Alles über meine Mutter" befragt. Almodóvar erklärt unter anderem, warum Frauen, an erster Stelle seine Mutter, für ihn eine so große Rolle spielen und warum er sich so vehement für sexuelle Minderheiten und Toleranz einsetzt. Weitere Gesprächspartner sind Almodóvars Bruder und langjähriger Produzent Agustín sowie Esther García, die seit rund 20 Jahren in der Produktionsfirma El Deseo mit ihm zusammenarbeitet. Ausführlich zu Wort kommen auch die Darstellerinnen Penélope Cruz, Marisa Paredes, Cecilia Roth und Antonia San Juan. Sie alle betonen die starke Persönlichkeit des Regisseurs und seine entscheidende Bedeutung für ihre eigene Karriere. Archivmaterial lässt Pedro Almodóvars Anfänge als Idol der Jugendkulturbewegung "Movida Madrileña" und rebellischen Sohn der jungen spanischen Demokratie wiederaufleben. Bisher unveröffentlichte Bilder von den Dreharbeiten zu "Alles über meine Mutter" zeigen den Filmemacher bei der Arbeit: immer aufs kleinste Detail bedacht, sei es beim Einstudieren einer Stuntszene oder bei den langen Proben mit seinen Schauspielerinnen. Eine lebendige Einführung in die ganz eigene Welt des großen spanischen Regisseurs, der romantische Extravaganz mit großer Sensibilität für die zeitgenössische Gesellschaft und ihre Probleme verbindet.

12:35 Karambolage

(1): Der Gegenstand Hajo Kruse erzählt von seinem Leibgericht als er Kind war, dem Cordon bleu. (2): Das Wort Hinrich Schmidt-Henkel fragt sich, woher das französische Wort für Hängematte kommt: hamac. (3): Der Gegenstand Gilles Roqueplo berichtet von der Herkunft seiner Lieblingsgitarren. (4): Das Rätsel Und zum Schluss der Sendung wie immer ein Rätsel - wie auch die Lösung des Rätsels der vorangegangenen Woche.

13:00 X:enius

Sehr starke Sonnenstürme sind selten, aber könnten uns durchaus gefährlich werden. In Extremfällen können sie durch elektromagnetische Verwirbelungen auf ganzen Kontinenten die Stromversorgung lahmlegen. In unserer von der Elektrizität abhängigen Gesellschaft wäre das eine Katastrophe. Sonnenstürme sind gigantische Wolken elektrisch geladener Teilchen, die bei der Kernfusion im Inneren der Sonne entstehen und ins All geschleudert werden. Alle elf Jahre erreicht die Aktivität der Sonne ein Maximum. Um Entstehung und Wirkung von Sonnenstürmen besser zu verstehen und Ausbrüche vorhersagen zu können, arbeiten Astrophysiker und Ingenieure an Hochleistungsteleskopen und speziellen Satelliten. Dörthe Eickelberg und Pierre Girard treffen den Astrophysiker Reiner Volkmer am zweitgrößten Sonnenteleskop der Welt: "Gregor" steht auf dem höchsten Berg Spaniens, dem Pico del Teide auf Teneriffa. Hier wollen sie mehr über die Entstehung der besonderen Stürme erfahren

13:25 Das Jahr der Wildnis (1/5)

Der erste Teil der Dokumentationsreihe präsentiert den filmischen Rundumblick auf die ersten Wochen eines neuen Jahres. Im Januar ist der Sommer auf den Falkland-Inseln im Südatlantik auf seinem Höhepunkt. In weiten Teilen Afrikas sorgt die Regenzeit dafür, dass aus ausgedörrten und wie tot erscheinenden Landschaften grüne Paradiese werden. Und während sich viele Tiere in Europa im Winterschlaf befinden, kämpfen junge Königspinguine in der Antarktis mit den Elementen, und in der Serengeti-Ebene machen sich die Gnus zu ihrer jährlichen Wanderung gen Norden auf - scharf beobachtet von zahlreichen Raubtieren und Aasfressern.

14:10 Zu Tisch in ...

Seit über 800 Jahren gießen die Marinellis Glocken für Agnone, die Molise und den Rest der Welt. Es ist die älteste Glockengießerei Europas. Pasquale Marinelli und sein Bruder Armando leiten die Geschicke der Firma, die sogar den Titel "Päpstliche Glockengießerei" tragen darf. Pasquale Marinelli ist ständig unterwegs, um mit neuen Kunden zu sprechen oder alte Glocken zu reparieren. Die Firma hat ihren Sitz in der süditalienischen Gemeinde Agnone, einer kleinen Stadt in der kaum bekannten Region Molise, nördlich von Apulien. Agnone hat eine lange Handwerkstradition, früher gab es hier viele Goldschmiede und Gießereien. Heute verlassen viele Menschen die wirtschaftlich schwache Region und ziehen in die größeren Städte, die Marinellis sind jedoch geblieben. Auch Pasquales Schwiegermutter Tonina hat lange überlegt, ob sie die Stadt verlassen soll. Auch sie hat sich entschieden zu bleiben und wohnt mit ihrem Mann Giancarlo in der Altstadt von Agnone. Tonina kümmert sich um die Mahlzeiten für die ganze Familie. An ihrem Tisch können sich die Männer mit Wirsingeintopf und Käsebällchen in Tomatensugo für die Arbeit stärken. Morgen wird Benedetta, Pasquales Tochter, vier Jahre alt. Außerdem will Pasquale vier Glocken gießen. Diese beiden Ereignisse will die Familie mit einer Zuppa alla Santé und einem Festmahl feiern. Die Küche der Molise ist einfach, eine typische Cucina Povera eben. Typisch sind der Caciocavallo, eine Käseart und viele Wurstspezialitäten wie die Salsiccia di Fegato, eine herzhaft gewürzte Leberwurst. Für die Kunst des Gießens, wie die des Kochens, gilt: Gute Zutaten, das richtige Rezept und viel Erfahrung sind Voraussetzungen für ihr Gelingen.

14:40 All About My Mother

Krankenschwester Manuela will ihrem Sohn Esteban an seinem 17. Geburtstag endlich sagen, wer sein Vater ist. Zur Feier des Tages gehen die beiden in das Theaterstück "Endstation Sehnsucht". Als Esteban nach der Vorstellung der Diva Huma Rojo nachläuft, wird er von einem Auto überfahren und stirbt. Die von Kummer überwältigte Manuela verlässt Madrid, um in Barcelona Estebans Vater zu suchen, den sie einst schwanger verließ, als er zur transsexuellen Lola wurde und auf den Straßenstrich ging. Ebendort trifft sie auf ihre alte Freundin, die Prostituierte Agrado. Die herzliche und exzentrische Transsexuelle bringt Manuela zu der jungen Nonne Rosa, die auch ein Kind von Lola erwartet. Manuelas Reise nach Barcelona wird zu einer Konfrontation mit ihrer eigenen, verdrängten Vergangenheit. Um die Leere, die Estebans Tod hinterlässt, zu füllen, wird sie Garderobiere der Diva Huma Rojo, Estebans Idol, um so ihrem toten Sohn ein wenig näher zu sein. Schließlich trifft Manuela auf Lola - und enthüllt, was sie ihr 17 Jahre lang verschwiegen hat.

16:30 Alte Gene für neue Äpfel

Im Hochgebirge Tian Shan in Kasachstan wuchsen vor 165 Millionen Jahren vermutlich die ersten Apfelbäume der Erde. Ist dies die Heimat des Apfels aus dem Garten Eden? Es ist auf jeden Fall die Heimat des Asiatischen Wildapfels "Malus sieversii". Der dichte Wälder bildende Apfelbaum kann über 30 Meter hoch und etwa 300 Jahre alt werden. Die Äpfel gibt es in verschiedenen Variationen, darunter äußerst schmackhafte. Und diese Äpfel haben einen großen Vorteil verglichen mit anderen Apfelsorten. Sie zeichnen sich durch eine außergewöhnliche Resistenz gegen Krankheiten aus, besonders gegen die am meisten verbreitete aller Apfelbaumkrankheiten, den Schorf. Was ist das Geheimnis iher Widerstandskraft? Der kasachische Wissenschaftler Aymak Djangaliev hat sein ganzes Leben der Erforschung und dem Schutz des "Malus sieversii" gewidmet. Dank seiner spannenden wissenschaftlichen und historischen Untersuchungen konnte er aufzeigen, dass der ursprüngliche Apfel eine Genkombination besaß, die im Laufe seiner Domestikation und auf der Reise von Asien nach Europa verloren gegangen ist. Darüber hinaus beschäftigt sich Djangaliev mit den Möglichkeiten, die sich aus der Entdeckung dieses Apfels ergeben. Könnte man nicht - nach dem Vorbild der in Frankreich entwickelten Apfelsorte "Ariane" - den "Malus sieversii" zu Kreuzungen nutzen, aus denen Bioäpfel mit natürlichem Schorfschutz hervorgehen?

17:15 Frankreichs mythische Orte

Inmitten von Weinbergen am Fuß der Montagne Noire, etwa 20 Kilometer vom südfranzösischen Carcassonne entfernt, liegt Caunes-Minervois. Das Dorf ist bekannt für seinen überwiegend roten Marmor, der unter anderem die Mezquita-Catedral in Córdoba und das Schloss von Versailles schmückt. Auch in den mittelalterlichen Gassen des Dorfes, die einen mediterranen Charme verströmen, stößt der Besucher allerorten auf den seltenen blutroten Stein, der hier auf besonders kunstvolle Art verarbeitet wird. Er wurde schon für die im Jahr 780 gegründete Benediktinerabtei verwendet, die als ein Meisterwerk der Romanik gilt und auf dem Gelände eines gallo-römischen Gutes errichtet wurde.

17:40 X:enius

Erdrutsche zählen mit Vulkanausbrüchen und Erdbeben zu den gefährlichsten Naturgewalten. Die gigantischen Kräfte werden immer wieder unterschätzt und kosten häufig Menschenleben. Nicht selten sind Erdrutsche durch Menschen verursacht. Ein Beispiel ist Nachterstedt, wo es in einem ehemaligen Bergbaugebiet zu einer Katastrophe kam, die drei Menschen tötete und 40 obdachlos machte. Auf den Kanaren kommt es vor allem nach starken Regenfällen immer wieder zu Erdrutschen. 2009 starben zwei Touristinnen bei einer Felsrutschung. Um solchen Unfällen vorzubeugen, versuchen Wissenschaftler Sicherungssysteme zu entwickeln, die Menschen in gefährdeten Regionen schützen sollen. Doch nicht immer ist das möglich. Dörthe Eickelberg und Pierre Girard fahren mit dem spanischen Geophysiker Vicente Soler Javaloyes an den Ort eines gewaltigen historischen Erdrutsches auf Teneriffa und lassen sich die Gründe für die Rutschungen erklären.

18:10 Kur Royal

Bad Ischl, das klingt nach Kaiser-Nostalgie und dem Gesundheitsmythos der Bergwelt. "Mit dem Kaiser Franz Joseph ins dritte Jahrtausend" - das scheint in Bad Ischl tatsächlich zu gelingen. Die ersehnte Schwangerschaft der Erzherzogin Sophie schreibt man hier der Heilkraft der Sole zu. Als sie dem "Salzprinzen" Franz Joseph I. das Leben schenkt, wird der Ort europaweit berühmt. Wer dazugehören will, macht Sommerfrische in Bad Ischl. Die Tracht hat hier einen hohen Stellenwert, genauso wie die gute Küche und alte Handwerksberufe, darunter Hutmacher, Schneider und Konditoren - sehr zur Freude der Kurgäste. Das alte Kurhaus bietet jedes Jahr die Bühne für Operette, die hier - gegen jeden Trend - quicklebendig ist. Die Vorstellungen sind ausverkauft, und Franz Léhar ist immer dabei. Heute leitet in Bad Ischl eine junge Generation von Frauen die Traditionsbetriebe. So ist Ischl, wie die Kenner liebevoll sagen, erstaunlich jung und als Kurort mit Salz-Therapien und Therme Trend. An wenigen Plätzen der Welt ist die Vergangenheit so sehr lebendige Gegenwart wie in Ischl. Bad Ischl ist ein unübertroffenes Beispiel dafür, wie ein kleiner Ort ohne Ermüdungserscheinungen Erfolg hat.

19:30 Wildes Deutschland

Thüringen gilt als Deutschlands grünes Herz. Über ein Drittel seiner Landesfläche ist von Wald bedeckt. Im Westen des Freistaates liegt der Thüringer Wald, ein fast 1.000 Meter hohes Mittelgebirge, das sich von der Werra im Nordwesten bis zum Frankenwald im Südosten hinzieht. In den dichten, teilweise ursprünglichen Wäldern fühlen sich nicht nur Eichhörnchen und Waschbären wohl. Auch die seltenen Schwarzstörche haben sich hier wieder angesiedelt. Rotmilane bauen in den Kronendächern ihre Nester, und sogar die scheue Wildkatze findet hier ausreichend Deckung. Im Thüringer Becken, einer der ältesten Kulturlandschaften Deutschlands, sind Feldhamster noch sehr zahlreich vertreten. Es ist eines der letzten Rückzugsgebiete der vom Aussterben bedrohten Nager in Europa. Thüringen ist berühmt für seine Burgen. Am bekanntesten ist die Wartburg bei Eisenach. In vielen alten Mauern haben sich Dohlen und Turmfalken eingenistet. Die Dachstühle kleiner Dorfkirchen bieten seltenen Fledermäusen Unterschlupf, unter anderem dem Großen Mausohr oder der Kleinen Hufeisennase. Über den Gebirgskamm des Thüringer Waldes führt der Rennsteig, einer der schönsten Wanderwege Deutschlands. Die liebliche Landschaft lockt seit Jahrhunderten Naturliebhaber an. Berühmte Komponisten und Dichterfürsten wie Bach, Goethe und Schiller ließen sich von ihr inspirieren.

21:55 Jean-Louis Trintignant

Der 1930 geborene Schauspieler Jean-Louis Trintignant steht wie kaum ein anderer für 55 Jahre europäisches Kino. Filmemacher Serge Korber ist seit vielen Jahren mit dem Ausnahmemimen befreundet. So entstand sein Porträt unter aktiver Mitarbeit des Schauspielers und wurde zu einer Autobiografie und einer Art filmischem Testament. Diese Reverenz an den französischen Star gewinnt große Aktualität durch Trintignants neuestem Film: "Amour" ("Liebe").In dieser deutsch-französischen Produktion unter der Regie von Michael Haneke spielt Jean-Louis Trintignant an der Seite von Emmanuelle Riva und Isabelle Huppert die männliche Hauptrolle. Filmemacher Serge Korber und Jean-Louis Trintignant begegneten sich in den 60er Jahren. Der damals bereits bekannte Schauspieler war Hauptdarsteller in Korbers letztem Kurzfilm "Der wundersame Regenschirm", dem ersten Film des Produzenten Marin Karmitz. Danach übernahm Trintignant die Hauptrolle in "Le dix-septième ciel", Korbers ersten Spielfilm, der für beide zu einem großen Erfolg wurde. Das nun von Korber realisierte Porträt seines Freundes Trintignant ist eine mehrstimmige Autobiografie, eine kollektive Erinnerung an das Wirken eines einzigartigen Mannes, der in 130 Filmen und rund 50 Theaterstücken mitwirkte. Der sonst extrem verschlossene Trintignant offenbart im Vertrauen auf seinen Freund hier zum ersten Mal auch sehr Persönliches. Er spricht natürlich über Kino und Theater, aber auch von seinen weniger bekannten Aktivitäten als Theaterregisseur, Rennfahrer und Winzer.

23:15 Die Nachtigall und andere Fabeln

Die Nachtigall ist seit jeher die Protagonistin zahlreicher Fabeln und Kinderlieder. Hans Christian Andersens Märchen, in dem ein künstlicher Vogel den betörenden Gesang des echten ersetzen soll, inspirierte den jungen Komponisten Igor Strawinsky zu seiner ersten Oper, "Die Nachtigall". 1909 schrieb er unter dem prägenden Einfluss seines Lehrers Rimski-Korsakow den ersten Akt. Dann unterbrach er die Arbeit jedoch, um sich den "Ballets Russes" zu widmen, die ihn berühmt machen sollten. Fünf Jahre später vollendete er die Märchenoper in einem durch Erfahrung gereiften Stil. Die fertige Oper ist ein atypisches Kleinod. Die Inszenierung für das Festival von Aix-en-Provence bringt die schlichte Poesie und den Zauber des ungewöhnlichen Meisterwerkes zur Geltung und lässt alte Techniken wie das chinesische Schattenspiel und das vietnamesische Wassertheater wieder aufleben. Als Vorspiel dienen einige Stücke, die die Beziehung Strawinskys zu seinen russischen Wurzeln und der Volkskunst thematisieren. So erzählt dieser musikalische Abend auch vom fruchtbaren Kampf zwischen Kunst und Natur.

00:50 Metropolis

(1): Metropolenreport: Neapel Sie gilt als die lebhafteste Stadt Italiens: Neapel. Umgeben von der wunderschönen sorrentinischen Halbinsel und dem Vesuv wurde Neapels Altstadt zum Welterbe der Unesco ernannt. "Metropolis" besucht Neapel während der wichtigsten Veranstaltung des Jahres: Dem "Mai der Monumente". Viele Privatausstellungen, Kirchen und Paläste, die normalerweise während des Jahres geschlossen sind, öffnen wahrend dieser Veranstaltung ihre Türen für das Publikum. Aufführungen, Konzerte und Lesungen runden das Programm ab. Die Zuschauer haben die Gelegenheit, in den engen Gassen zwischen flatternder Wäsche und schreienden Fischverkäufern geheimnisvolle Kirchen und Katakomben zu entdecken und die versteckten Universen privater Kunstsammler zu erkunden. Darüber hinaus trifft "Metropolis" die Vollblutneapolitanerin und Galeristin Laura Trisorio, die jedes Jahr das Kunstfilmfestival "Arte Cinema" organisiert und die neapoletanische Fotografin Raffaela Mariniello, taucht in das bunte Nachtleben der Stadt ein und verrät, wo es die beste Pizza der Stadt gibt, denn hier wurde sie ja schließlich erfunden. (2): "Unlimited" - Die britische Dance Company CANDOCO Diesen Sommer wird in London parallel zur Olympiade ein sensationelles Kulturprogramm veranstaltet: Mit dabei die Dance Company CANDOCO. Gleichberechtigt tanzen körperlich behinderte mit körperlich unversehrten Tänzern zusammen. Das Motiv von Gleichberechtigung, Mut und Grenzüberschreitung ist mit ein Grund dafür, dass die CANDOCO-Dancecompany im 21. Jahr ihres Bestehens eingeladen wurde, an der diesjährigen Kulturolympiade in London teilzunehmen. "Unlimited" heißt die Produktion, die von den körperlich behinderten Choreographen Claire Cunningham und Marc Brew mit zwölf Tänzern aus Großbritannien, China und Brasilien einstudiert wird. "Metropolis" durfte bei den Proben dieser ungewöhnlichen Produktion zusehen. Darüber hinaus zeigt die Sendung Ausschnitte aus dem Repertoire dieser international hoch gelobten Tanzcompany und zeichnet ihre Geschichte nach. Gegründet hat CANDOCO Celeste Dandecker, die seit einem Bühnenunfall querschnittgelähmt ist, aber den Mut besaß, im Rollstuhl weiterzutanzen. Das Porträt einer Tanzcompany, die körperlichen Grenzen nicht bedingungslos akzeptiert und Mut macht, das Ungewöhnliche zu wagen. (3): Der Fluss der Träume- Maschinenkunst an der Loire Die Loire ist nicht nur der längste Fluss Frankreichs. Seit Jahrhunderten inspiriert er die größten Geister Europas. Auf Schloss Amboise wirkte Leonardo da Vinci für den königlichen Hof. Im 19. Jahrhundert erblickte in Nantes das Science-Fiction-Genie Jules Verne das Licht der Welt. Ab Mitte Mai 2012 unternehmen jetzt phantasiebegabte Künstler, Maschinenbauer und Plastiker den nächsten Schritt in die Zukunft und laden zu einer Tour entlang der Loire. In Orléans beginnt am 16.5. die große Schau "Véhicules rêvés", in der die irrwitzigsten Gefährte präsentiert werden. Initiator ist dort das FRAC, ein Kulturzentrum, das jüngst mit der Präsentation einer fliegenden Baustelle für Furore sorgte. Von hier kann man dann Richtung Flussmündung radeln und an dreizehn Orten von grenzenloser Mobilität träumen. Das Ziel der Tour führt nach Nantes, wo sich das Ufer in eine Ausstellungslandschaft verwandelt, und auf einer Flussinsel ein wachsender Fuhrpark riesiger Maschinentiere das Publikum begeistert. www.frac-centre.fr/expositions/au-frac-centre/Vihicules-reves-246.html (4): Weltmusiker Giora Feidman - Im neu eröffneten Kulturkino der NS- Ordensburg Vogelsang Ein Auftritt an wahrlich historischem Ort: Der israelische Klarinettist Giora Feidman gibt dort ein Konzert, wo die Nationalsozialisten ihren Führungskader schulten. Die Ordensburg Vogelsang ist eines der größten erhaltenen Bauensembles aus der NS-Zeit. Die Anlage auf dem Berg oberhalb der Urfttalsperre bei Gemünd in Nordrhein-Westfalen, diente von 1936 bis 1939 der Ausbildung der NS Elite und wurde dann bis Kriegsende von der Wehrmacht genutzt. Na

01:40 Feuer, Wasser, Erde, Luft

Der Maler Velu Viswanadhan wurde 1940 in Kerala im Süden Indiens geboren. Er lebt heute in Paris und Chennai, dem ehemaligen Madras. Seine Kunst hat er bisher hauptsächlich in Paris und Indien ausgestellt. 2008 widmete ihm die Marlborough Gallery in New York eine große Ausstellung. Im Jahr 1976 begann er mit der Arbeit an einem Filmzyklus, der das Leben in Indien mit Hilfe der fünf vedischen Elemente Erde, Feuer, Luft, Wasser und Äther darstellen sollte. Sein Film "Erde" (1976-82) eröffnete den Zyklus über die fünf Elemente, es folgten "Wasser/Ganga" (1985), der 1986 mit dem Grand Prix des Dokumentarfilmfestivals "Cinéma du réel" ausgezeichnet wurde, "Feuer/Agni" (1988), "Luft/Vayu" (1994) und "Äther/Aakaash" (2002). 30 Jahre später kehrte Viswanadhan an die ehemaligen Schauplätze zurück. In "Feuer, Wasser, Erde, Luft" werden die fünf Elemente in beeindruckenden Natur- und Landschaftsbildern veranschaulicht und auch der Nutzen, den die Menschen aus ihnen ziehen, wird thematisiert: Fischer werfen Netze aus, der Schmied formt eisen, der Händler kocht Teewasser, Tänzer aus Malabar tanzen mit dem Feuer. Die Geräuschkulisse entsteht durch Klänge aus Natur und Alltag. Der kontemplative Film, dessen gewollt langsamer Rhythmus ein Gefühl von Ewigkeit vermittelt, enthält sich jedes belehrenden Kommentars, regt aber durch seine Bilder zum Nachdenken an.

03:45 Flüchtig - Das rätselhafte Leben des B.Traven

Die Romane des deutschen Schriftstellers B. Traven, der im März 1969 in Mexiko starb, sind weltbekannt. Doch wer sich hinter diesem Pseudonym verbarg, ist bis heute ein gut gehütetes Geheimnis. Mit diesem Paradoxon setzt sich Xavier Villetard in seiner Dokumentation auseinander. B. Traven ist heutzutage zwar weniger bekannt, doch früher war er ein vielgelesener, hochproduktiver Autor, dessen Werke in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. B. Traven war zu seiner Zeit eine echte Berühmtheit. Seine Trivialromane lieferten Stoff für Hollywood - ein glänzendes Beispiel dafür ist "Der Schatz von Sierra Madre", ein Meisterwerk von John Huston aus dem Jahr 1948. Der Schriftsteller verwischte sein Leben lang die eigenen Spuren. Er arbeitete mit Pseudonymen und erfand vor allem eine eigene Legende, die er ständig und nicht ohne bittere Ironie immer weiter ausschmückte. Aber was hatte B. Traven zu verbergen? Der Dokumentation gelingt es, mit Hilfe von Zeugen und Indizien Licht in das Dunkel um den Autor zu bringen. Sie zeichnet den Weg dieses Mannes nach, dessen Flucht nach den revolutionären Utopien seiner Jugend in Deutschland und dem Intermezzo der Münchner Räterepublik schließlich in Mexiko, genauer gesagt bei in Chiapas lebenden Indianern, endet. Das Leben B. Travens ist die Geschichte eines Rebellen, eines freien Menschen, der sich aus den Zwängen seiner Identität befreite, um sich selbst neu zu erfinden.

05:00 Tracks

(1): Connan Mockasin: Pop-Größe aus Down Under Die Welt des Neuseeländers Connan Hosford alias "Mockasin" ist bunt und psychedelisch. Schon im zarten Alter von 5 Jahren komponierte er seine eigene Musik, 2004 gründete er die Bluesband "Connan and the Mockasins". Den Namen behielt er auch, als er zwei Jahre später in London eine Solokarriere startete. Connan ist ein Kontrollfreak: Tonaufnahmen im Tipi, Design seiner Plattencovers, Kostüme für die Videoclips - alles geht durch seine Hände. Er arbeitete mit Fatboy Slim und Charlotte Gainsbourg zusammen, bald auch mit Radiohead. Die Musik des Blondschopfs mit dem verträumten Blick, dessen liebste Ratgeberin Mama bleibt, genießt man am besten mit geschlossenen Augen bei einem Sonnenbad. (2): Synästhetik als Kunstform: Verschmolzene Sinne Ein Synästhetiker ist ein Mensch, bei dem sich mehrere Sinnesebenen vermischen. Sein Gehirn koppelt die Verarbeitungszentren von Sinnesorganen, wodurch Buchstaben als Farben, Formen als Gerüche und Zahlen als Personen wahrgenommen werden können. Diese neurologische Störung nutzen manche Künstler als kreativen Prozess. Der Deutsche Alva Noto macht in seinen Installationen und Live-Performances Klang sichtbar. Die belgische Synästhetikerin Edith Dekyndt setzt Isaac Newtons Theorien in ihren Installationen um, die Namen tragen wie "Farben eines Flugzeugstarts" oder "Musik einer Lilie". Und der Komponist Marc Battier, Erfinder des "Audioscan", verwandelt mithilfe von Sonagrammen Gemälde des chilenischen Surrealisten Matta und Audiogedichte von Henri Chopin in elektroakustische Werke. (3): Pump Addicts: ein Leben auf Pump "Looners" (Kurzform von "Ballooners") haben ihre Luftpumpe immer dabei, denn diese Fetischisten stehen auf alles, was sich aufblasen lässt. Pornofan David ist DER deutsche Produzent von "Looners"-Filmen, in denen z. B. Domina Jessy Ballons platzen lässt. AlexX ist ein Fotograf aus Bremen und Fetischist aufblasbarer Latexkostüme. Am liebsten geht er als Pinguin ... (4): C-3PO: Auch Roboter sind nur Menschen R2D2 und C-3PO sind die Dick und Doof der "Star Wars"-Generation. In der Hülle des goldenen Roboters steckt seit 1977 der ansonsten unbekannte Anthony Daniels. Der wohl berühmteste Roboter der Filmgeschichte war die Rolle seines Lebens: Der britische Schauspieler mit dem Butler-Akzent verpasste keine Folge der Weltraumsaga von George Lucas und wurde außerdem für zahlreiche "Star Wars"-Ableger wie Fernsehserien, Videospiele, Achterbahnen, Audioversionen herangezogen. Ansonsten ist mit dem aufmüpfigen, menschenfeindlichen Daniels allerdings nicht gut Kirschen essen: Im "echten" Leben überwarf er sich selbst mit seinem treuen Kumpan R2-D2! Tracks wagte ein schnelles Interview mit dem Mann, der keine Freunde hat ... (5): Mastodon: Schwergewichte des Heavy Metal Die im Jahr 2000 gegründete Metalband Mastodon stellte neue Weichen für den Heavy Metal. Mit einer Mischung aus Sludge (beeinflusst von Neurosis), Hardcore und Doom Metal begründeten Troy Sanders und seine Band die New Wave des Heavy Metal made in USA, auf einer Stufe mit Panthera, Biohazard und Machine Head. Mit ihrem neuen Album, einer Hommage an den Bruder des Gitarristen, der auf der Jagd einem Herzinfarkt erlag, mischten die Mammuts aus Atlanta die Pariser Konzertbühne Bataclan auf.

06:00 Die Sopranistin Christine Schäfer

In Christine Schäfers Karriere gibt es weder ein längeres festes Engagement an einem Opernhaus noch laszive Fotos fürs Plattencover; stattdessen die Kündigung eines lukrativen Plattenvertrages und eine große Liebe zur zeitgenössischen Musik - alles eher Elemente für einen geplanten Karriere-Selbstmord. Trotzdem oder gerade deswegen, ist sie eine der vielseitigsten und spannendsten Sängerinnen unserer Zeit mit Engagements von Berlin und Salzburg über Paris bis nach New York. Und das hat sie gerade ihrer Unbeirrbarkeit und damit auch ihrer künstlerischen Glaubwürdigkeit zu verdanken. Denn Christine Schäfer ist sich sicher: Gerade das Persönliche ist es, was die Menschen am meisten bewegt. Die Tochter einer Frankfurter Metzgerfamilie verlangte schon als kleines Kind ein FIS, als ihre Mutter ihr am Klavier das C zeigen wollte und irritierte die Eltern auch später mit ihrer Vorliebe für schräge Töne. Konsequent verließ sie die Schule, als ihr Wunsch nach einem Gesangsstudium feststand. Und wurde dabei geprägt von ihrer Gesangslehrerin Ingrid Figur und dem Komponisten Aribert Reimann, bei dem sie ihre Leidenschaft für die zeitgenössische Musik ausleben konnte. Schon früh sang sie die "Lulu", verwirklichte später mit ihrem Lebensgefährten Oliver Herrmann ungewöhnliche Musikfilme und krönte 2006 ihre Laufbahn bis dahin mit einem fulminanten Auftritt als Cherubino im Salzburger "Figaro". Ihr Repertoire reicht von ganz alt bis neu, von Monteverdi und Purcell bis zu Crumb und Reimann. Und wenn es schon keine Plattenfirma gibt, dann produziert sie ihre CDs eben mittlerweile selbst - und auch das mit großem Erfolg.